Moin Ihr Lieben,
ich liebe ja die Idee, eine Stadt nicht nur mit den Augen zu entdecken, sondern vor allem mit dem Gaumen. Kulinarische Stadtrundgänge gehören zu den schönsten Arten zu reisen: Man schlendert durch Straßen und Gassen, hört Geschichten über Land und Leute – und probiert dabei typische Spezialitäten, die man sonst vielleicht nie bestellt hätte.
So ein Genuss-Spaziergang steht schon lange auf meiner Wunschliste. Denn jede Region hat ihren eigenen Geschmack, ihre kulinarischen Eigenheiten und Gerichte, die einfach dazugehören wie der Hafen zur Küste oder der See zum Binnenland.
Schleswig-Holstein – meerumschlungen, das Land zwischen Nord- und Ostsee – ist meine Heimat. Geboren in der Nähe von Rendsburg am Nord-Ostsee-Kanal hat es mich später beruflich nach Bad Segeberg verschlagen. Heute lebe ich mit meiner Familie in einem kleinen Dorf am Rand eines großen Waldgebietes.
Einen klassischen Stadtrundgang kann ich Euch hier zwar nicht anbieten – aber ich kann Euch mitnehmen auf eine kleine kulinarische Reise durch die traditionelle Küche Schleswig-Holsteins.
Die Menschen hier waren seit jeher geprägt von harter körperlicher Arbeit: auf dem Meer, auf den Feldern, in den Marschen. Essen musste sättigen, Kraft geben und wärmen. So ist unsere norddeutsche Küche bodenständig, deftig – und manchmal überraschend eigenwillig.
Die ganz besondere Note ist das berühmte „Broken Söt“, die gebrochene Süße. Dabei treffen herzhafte Fleischgerichte auf süße Beilagen. Meelbüddel oder De Grote Hans sind eigentlich süße Mehlspeisen, bekommen aber durch Kochwurst oder Schweinebacke ihren unverwechselbaren Charakter.
Und wer im Herbst in einem Dorfgasthaus „Birnen, Bohnen und Speck“ bestellt, erhält einen kräftigen Eintopf, in dem die Süße der Kochbirnen wunderbar mit dem Deftigen harmoniert. Selbst beim winterlichen Grünkohl gehören karamellisierte Kartoffeln und auf jeden Fall ein Zuckerschälchen ganz selbstverständlich dazu.
Und was wäre Schleswig-Holstein ohne die Früchte des Meeres?
Ob Miesmuscheln, Austern, Krabben, Scholle, Hering oder Lachs – die Schätze aus Nord- und Ostsee stehen hier überall auf den Speisekarten und gehören einfach zum Lebensgefühl dazu.
Als ich meinen Mann fragte, welches Gericht für ihn nach Heimat schmeckt, kam die Antwort ohne Zögern: „Matjes!“
Und genau deshalb folgt nun mein Rezept – ein echter norddeutscher Klassiker.
Viel Spaß beim Zubereiten und…
lot ju dat smecken!
Eure

Matjes nach Hausfrauenart – ein schmackhaftes, traditionelles Gericht aus dem Norden.



🌊 Mini-kulinarischer Stadtrundgang durch Glückstadt
Und wenn wir schon beim Matjes sind, dann lasst mich Euch zum Schluss noch an einen ganz besonderen Ort mitnehmen:
Stellt Euch vor, Ihr schlendert an einem milden Junitag durch ein kleines norddeutsches Städtchen an der Elbe. Die Luft riecht nach Wasser, ein bisschen nach Salz – und irgendwo auch nach frisch gebratenem Fisch.
Willkommen in Glückstadt.
Die Stadt ist klein, charmant und wirkt ein bisschen so, als sei sie aus der Zeit gefallen: Kopfsteinpflaster, hübsche Fassaden, ein historischer Marktplatz, auf dem sich im Sommer das Leben sammelt.
Und genau hier spielt sich jedes Jahr Mitte Juni ein echtes kulinarisches Highlight ab:
Die Glückstädter Matjes-Wochen.
Schon ab dem zweiten Donnerstag im Juni steht die ganze Stadt Kopf. Musik liegt in der Luft, Menschen lachen, schlendern von Stand zu Stand, und überall dreht sich alles um den Star der Region:
Den Original Glückstädter Matjes, der dort noch immer in reiner Handarbeit nach altem Rezept gesalzen und eingelegt wird.
Der offizielle Auftakt ist die traditionelle Matjes-Probe. Auf dem Marktplatz warten viele gespannt darauf, dass ein großes Holzfass geöffnet wird, in dem der Matjes zur Reife gekommen ist.
Ein Biss… ein verzücktes Kauen… und – dann fällt meist sehr schnell das Urteil: „Ausgezeichnet!“
Damit beginnt eine Woche voller Genuss und norddeutscher Lebensfreude: Flohmarkt, Tanz, Veranstaltungen – und natürlich Matjes in allen Variationen.
Also, falls Ihr einmal im Juni in Norddeutschland unterwegs seid: Macht Halt in Glückstadt. Spaziert durch die kleinen Straßen, genießt die Elbe, und probiert die echte Küstenküche. – Nichts wie hin! 😊

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