Zucchini-Kaviar (Ікра з кабачків) ist eine echte Besonderheit der ukrainischen Küche. Für mich ist er weit mehr als nur ein veganes Gemüsegericht: Er schmeckt nach Tradition, nach Familie und – nach Kindheit. Dieses Rezept habe ich von meiner ukrainischen Babuschka bekommen, und bis heute verbinde ich mit ihm gemeinsame Spätsommertage in der Küche, das leise, gemütliche Blubbern großer Töpfe auf dem Herd und das Befüllen unzähliger Einmachgläser für den Winter.
Die Basis für klassischen Zucchini-Kaviar bilden Zucchini, Möhren, Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten und Pflanzenöl. Das Gemüse wird bei niedriger Temperatur sanft geschmort und anschließend püriert. So entsteht – je nach Vorliebe – ein glattes oder leicht stückiges, orangefarbenes Püree mit cremiger Konsistenz und einem milden, leicht süßlichen Geschmack. Einfach, bodenständig und unglaublich vielseitig.
Hallo ihr Lieben,
im Zuge meiner heutigen Resteverwertung aus dem Kühlschrank durften zwei Zucchini und fünf Tomaten endlich ihre Bestimmung finden: Ich bereite Zucchini-Kaviar nach dem Rezept meiner Babuschka zu – köstlich und wunderbar alltagstauglich.
Die Geschichte hinter dem Rezept
Vor Jahren, als wir gemeinsam große Mengen Zucchini-Kaviar zum Konservieren vorbereiteten, erzählte mir meine Babuschka, dass dieses Gericht historisch gar nicht so alt sei. Erst in den 1930er- und 1940er-Jahren wurde Zucchini-Kaviar in der damaligen Sowjetunion populär. Zucchini galten im Gemüseanbau als pflegeleicht, ertragreich und günstig – perfekte Voraussetzungen für ein neue sozialistische Speise. Staatlicherseits experimentierte man damals wohl mit verschiedenen Rezepturen, bis sich der heute bekannte Zucchini-Kaviar etablierte.
Zucchini-Kaviar war damit eine ebenso praktische wie schmackhafte Lösung, um große Ernten haltbar zu machen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er so beliebt, dass er bis heute – frisch als auch konserviert im Glas oder Dose – in nahezu jedem Lebensmittelgeschäft (продуктовый магазин) zu finden ist.
Was bedeutet Kaviar (Ikra)?
Der Begriff Kaviar „Ikra“ (iкра) bezeichnet im Ukrainischen und Russischen nicht nur den bekannten Fischrogen von Stör (schwarzer Kaviar) und Lachs (roter Kaviar), sondern auch fein gehacktes oder püriertes Gemüse und Pilze.
Warum Zucchini-Kaviar bis heute so beliebt ist?
Fast überall, wo ich in der Ukraine zu Gast war, durfte ich u.a. auch Zucchini-Kaviar probieren: hausgemacht oder mit Label aus dem Glas, bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt. Er steht sinnbildlich für schmackhafte Hausmannskost – günstig, saisonal, unkompliziert und unglaublich vielseitig.
Ähnliche Gemüsezubereitungen kennt man übrigens auch aus der italienischen, türkischen, levantinischen und Balkan-Küche. Ob als Dip, Brotaufstrich, Vorspeise, Beilage oder Füllung – es gibt viele Parallelen.
Zucchini-Kaviar – köstlich & vielseitig
Ich mag Zucchini-Ikra am liebsten pur, mit frisch gebackenem Brot – in der Ukraine besonders gern mit Lawasch oder Französischen Brötchen, hier zuhause auf jeden Fall mit meinen selbstgebackenen Broten. Aber auch als Sandwichbelag, Füllung für Tartes, Pfannkuchen oder Brötchen, als Sauce zu Nudeln, Kartoffelpuffern oder gebackenem Wurzelgemüse passt dieser Kaviar wunderbar. Dank seines milden Geschmacks schmeckt er außerdem hervorragend zu Salaten, Käse, hartgekochten Eiern oder Aufschnitt.
Heute habe ich mich entschieden, den Zucchini-Kaviar als Füllung für dünne Pfannkuchen zu verwenden – und ich kann euch nur raten: Unbedingt ausprobieren!
Eure



Pfannkuchen gefüllt mit Zucchini-Kaviar und Feta
Dünne Pfannkuchen (блины) sind in der ukrainischen Küche sehr beliebt. Sie werden mit Fleisch, Gemüse, Beeren, Fisch und vielem mehr gefüllt – der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Viele Köche und Köchinnen haben ein eigenes, bewährtes Pfannkuchenrezept. Ich auch, denn ich verwende das traditionelle Rezept meiner Babuschka. Probiert doch mal diese gefüllten Pfannkuchen aus. Sie lassen sich hervorragend vorbereiten und sind köstlich – sowohl kalt als auch warm. Ich bin gespannt, wie sie euch schmecken!
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